Sicherlich kennen die meisten von uns diese Weisheiten von Fußball-Altmeister Sepp Herberger. Hat also erstmal nicht all zu viel mit unserem orangenen Leder zu tun. Und man könnte meinen, mit Science City Jena im Mai 2010 auch nicht wirklich mehr – wo doch der Punktspielauftakt zur Saison 2010/11 (Ende September) noch ein ganzes Jahresdrittel entfernt ist. Und doch stehen wir aktuell in sehr vielen Bereichen vor der Herausforderung, uns optimal auf das nächste Spiel, das dann ja auch gleichbedeutend mit dem Punktspielauftakt der nächsten Spielzeit ist, vorzubereiten.
Gerade einmal ein paar Wochen ist es her, dass wir mit unserem durch die Saison enorm gewachsenen Team im prestigeträchtigen Derby Chemnitz geschlagen und damit die Saison auf Rang 10 der Pro A beendet haben. Seither ist zwar kein Ball mehr geflogen, es hat nicht einmal ein offizielles Training gegeben, da fast alle Spieler nicht mehr in der Stadt sind: Simon ist in Bad Bergzabern und bereitet sich auf die U20-EM vor, Frieder ist in Halle und stählt seinen Körper, Mitch in den USA und Oskar zurück in Berlin, Kevin bei seiner basketballverrückten Familie und unsere Amerikaner sowieso über’n großen Teich. Doch es passiert gerade in der Zeit nach der Saison eben doch sehr viel – und ich will Euch gern einen Einblick geben, was uns im Management unser Hightowers-Team betreffend da so alles beschäftigt.
Zunächst konnten wir uns freuen über die Ehrungen, die unsere Spieler erhielten: Simon Schmitz als Youngster des Jahres von der Liga selbst, Kevin Wysocki vom Basketportal als bester 6.Mann der Liga und letztlich wurden von Eurobasket Simon Schmitz und Michael Jost in die Auswahl der besten 5 Youngster der Pro A berufen. Das freut uns – ist aber gleichzeitig Aufgabe für uns zu versuchen, möglichst bestimmte Spieler weiterhin an uns zu binden. Beim Bau des Teams für die kommende Saison versuchen wir als Sportliche Leitung nämlich vor allem diese Kriterien zu beachten:
- Es muss, um eine langfristige Identifikation und mannschaftliche Stabilität zu sichern, ein Kern des Teams gehalten werden – also Akteure, die in der vergangenen Spielzeit schon überzeugt haben.
- Es muss, um eine nachhaltige Perspektive im Kader zu haben, ein signifikanter Anteil der jungen Talente gebunden werden, da von diesen die größten Leistungssteigerungen zu erwarten sind.
- Es muss, um eine ansprechende sofort abrufbare Qualität im Team zu haben, die es ermöglicht, viele Spiele in der Pro A zu gewinnen, „Superstars“ und „Anführer“ geben, die das Team in der „Schlacht“ tragen.
Dazu spielen folgende weitere Eigenschaften für Spieler, die wir verpflichten, eine wichtige Rolle:
- Variabilität (im modernen Basketball hat man in jedem Team nur noch wenige Spezialisten, so wie zum Beispiel Adrian Hill bei uns einer war, weil eben ein reiner Center)
- Verteidigungsleistung (Dieser Punkt wird oft unterschätzt. Ich will es mal ganz einfach formulieren: Das Spiel besteht aus Angriff und Verteidigung. Und, irgendwie logisch, ist die Zeit, die unser Team in der Verteidigung zubringt, meist identisch der Angriffszeit – also 50-50… Nun bringt uns ein Spieler sehr wenig bis gar nichts, der im Angriff zwar jeweils 15 Punkte markiert – in der Verteidigung aber durch eine hohe Fehlerquote stets mindestens genauso viele Punkte verschuldet.
- Charakter der Spieler – hier ist uns wichtig, dass sich Akteure, die für Science City Jena spielen, als Teamplayer verstehen und mit dem jungen Jenaer Umfeld auch sehr identifizieren.
Das soll Euch einfach mal einen Einblick geben, wie wir versuchen, in der Mannschaft die richtige Mischung zu haben. Unzählige Gespräche mit Spielern, Trainern und Agenten sowie viele Videoanalysen sind notwendig, um diese Entscheidungen mit möglichst klarem Blick zu treffen. Besonders Stephan darf jetzt oft nächtelang ran und sich in diesem, seinem Spezialgebiet auszutoben. Unser gutes Netzwerk mit Björn (Harmsen) in Weißenfels, Marcel (Schröder) und Lars (Masell) in Würzburg kann und darf gerade täglich strapaziert werden.
Die ersten Schritte in dieser Richtung sind mit der Verlängerung von Adrian Hill und „local hero“ Ermen Reyes-Napoles (Pressemitteilung) gemacht. Dazu hoffen wir nach den positiven Gesprächen mit Simon Schmitz und Frieder Diestelhorst auch dort bald auf positive Zeichen. Bei allen Planungen müssen wir natürlich beachten, dass sich alle unsere Vorhaben auch im Budget darstellen lassen. Hier kann man unserem Management und der Marketingabteilung bisher nur großen Respekt zollen für die gute Arbeit, denn viele unserer Partner haben in den bisherigen Gesprächen ihre Unterstützung und Identifikation für den eingeschlagenen Weg signalisiert. Vor allem unserem wirtschaftlichen Geschäftsführer Lars Eberlein, der aus meiner Sicht ein Glücksfall für den Jenaer Basketball ist, und unserem Marketingverantwortlichen Andre Näth haben wir zu verdanken, dass wir in der Budgetplanung bisher schon einen großen Schritt tun konnten. Denn nur mit einem klaren Wissen um die genaue Höhe des Budgets können wir alle Entscheidungen treffen – zu denen übrigens auch noch die Klärung der Trainerfrage für die kommende Saison gehört.
Nicht vergessen möchte ich an der Stelle darauf hinzuweisen, dass am kommenden Wochenende der 9. Funkwerk Junior Cup in Jena steigt. Das Turnier, bei dem auch erstmals unsere U19-NBBL (Science City Funkwerk Juniors) und U16-JBBL (Science City PlanOrg Juniors) Mannschaften unter der Flagge von Science City Jena starten, hat sich mittlerweile zu einem echten Höhepunkt gemausert. Dieses Jahr haben wir insgesamt 12 Mannschaften am Start, ein stattliches Teilnehmerfeld. Natürlich bin ich da auch vor Ort.
Eine sonnige Off-Season wünscht
Euer Tino
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